Aus der Branche: Eine digitale Plattform zur Veränderung des Outbound-Sektors

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— Sep 19, 2017

Der lettische Fahrzeugdienstleister Fracht SIA hat 2014 sein Automotive Logistics Control System (ALCS) eingeführt, um den Vertrieb von Fahrzeugen der Marken des Volkswagen Konzerns, General Motors und eine Reihe von Nutzfahrzeugherstellern zu unterstützen. Fracht hat bisher 3 Mio. Euro (3.6 Mio. USD) in die Transportmanagement-Software investiert und deckt nun alle Bereiche ab: Einkauf, Transportplanung, Supply Chain Management, Daten-Routendienste, Qualitätskontrolle, KPI-Performance und Rechnungslegung.

Die webbasierte Software, die von Cloud-Anwendungen unterstützt wird, soll den Informationsfluss in Echtzeit besser steuern, indem eine gemeinsame Plattform für Automobilhersteller, Transportdienstleister und andere wichtige Anbieter von Dienstleistungen im Outbound-Sector geschaffen wird.

„Das System ist eine Art Mischung zwischen ERP II und einem professionellen sozialen Netzwerk, in dem Benutzer ihre Daten mit bestimmten Partnern teilen können“, erklärt Renatas Slenderis (siehe Bild), der Gründer und Vorstandsmitglied von Fracht SIA.

Enterprise Resource Planning (ERP) ist eine Business-Process-Management-Software, die integrierte Anwendungen zur Verwaltung eines Unternehmens und zur Automatisierung von Bürofunktionen zusammenführt. ERP II hat den zusätzlichen Vorteil, Kundenbeziehungen und Personalmanagement zu integrieren.

Slenderis fährt fort: “Es ist eine Kombination von Funktionen aus dem klassischen ERP II, mit seinen strikten Geschäftsregeln, komplexen Dateneingabeformularen und eingeschränktem Zugriff auf Daten und die Erfahrung moderner Webanwendungen und sozialer Netzwerke, in denen Benutzer Informationen mit ihren Partnern auf einfache und nützliche Weise austauschen können.”

Optimiert, automatisiert, effizient

Fracht sagt, dass mehr als 80% seiner Geschäftsprozesse mit dem ALCS optimiert und automatisiert wurden, mit einigen beeindruckenden Effizienzgewinnen.

„Unsere Reaktionszeit von der Bestellung bis zur Ausführung wurde bis zu 20-mal verkürzt“, sagt Slenderis. „Fracht hat den Transport von Fahrzeugen von 6.700 Stück im Jahr 2010 auf 70.000 Stück im Jahr 2016 erhöht [und] den Umsatz um das Siebenfache erhöht, ohne die Anzahl der Mitarbeiter zu erhöhen. Außerdem können wir weiter den jährlichen Transport von Fahrzeugen auf bis zu 300.000 mit der Verwaltung von zwei Disponenten steigern. “

Seit seiner Einführung wurden mehr als 180.000 neue und gebrauchte Fahrzeuge (die Aufteilung wurde zu 65% neu und zu 35% gebraucht) von Fracht und seiner litauischen Tochter Fracht UAB mit Einsatz der Software transportiert.

„Kleine und mittlere Transportunternehmen, darunter Vytaro Transportas, Autoriba und Autofastas, um nur drei zu nennen, arbeiten über ALCS mit uns zusammen“, sagt Slenderis. „Rund 265 Transportunternehmen nutzen das ALCS regelmäßig, obwohl unser Netzwerk insgesamt 1.289 Transportunternehmen und mehr als 5.000 Autotransporter umfasst.“

Zudem, größere europäische Transportdienstleister wie Frikus, Hoedlmayer, STS und Wega-A nutzen es in begrenztem Umfang als Austauschmodul, um Frachten auf Spot-Basis zu kaufen, Aufträge zu ordern oder Informationen zum Ver- und Entladung zu erhalten.

Die Anbieter der Transportdienste für Fahrzeuge, ob groß oder klein, nutzen das ALCS-System im ganz Europa und das Unternehmen denkt schon weiter an globalen Anwendungen. Laut Slenderis unterstützt das System zehn Sprachen, darunter chinesisch, russisch und spanisch, so dass das ALCS in einer Reihe von Regionen auf der ganzen Welt implementiert werden kann.

Überwindung von Hindernissen

Bei der Entwicklung des Systems stieß Fracht auf einige bekannte Probleme, mit welchen diejenigen konfrontiert werden, die eine Lösung für einen effizienteren Ausgangslogistikprozess suchen. Grundsätzlich bedeutet die Schaffung einer gemeinsamen Plattform oder der Verbindung der Lieferkette, die allen Beteiligten dient, einen offenen Zugang und gleichzeitig eine sichere Integration zwischen den OEMs und den Logistik- und Transportdienstleistern. Fracht musste auch darüber nachdenken, ALCS so benutzerfreundlich zu halten, dass das System-Training auf ein Minimum reduziert werden konnte.

Durch die Balance zwischen der ERP-Funktionen und der Socialnetzwerk-Technologie ist das System benutzerfreundlich aber gleichzeitig auch sicher.

Während der Entwicklung hat das Unternehmen das System an den Bedürfnissen der Verbraucher angepasst. Zum Beispiel, während der Testphase der GSM (mobile) Anwendungen stieß die Firma auf einige Widerstände von Fahrern, die nicht in der Lage waren, Smartphone-Apps zu verwenden. Die meisten Fahrer waren über 50 und wussten nicht, wie eine Smartphone-App zu benutzen. Auch oft harte Arbeitsbedingungen führten dazu, dass die Verwendung eines Smartphones zu aufwendig war. Fracht löste das Problem, indem der Kommunikationsprozess zwischen dem ALCS und dem Fahrer mittels SMS-Codes vereinfacht wurde.

Einsparungen bei Emissionen

Ein weiteres Problem, das bei dem Vertrieb von Fahrzeugen zu überwinden ist, sind die Leermeilen, die typischerweise auf Rückfahrten zurück gelegt werden müssen, wenn die Transporter keine Fracht haben, was sehr ineffizient ist. Fracht verspricht, dass die Verwendung von ALCS helfen könnte, diese leeren Meilen und die ausgestoßenen CO2-Emissionen zu reduzieren. Zusammenführung von Frachten und Anfahrten ist laut Fracht der einzige Weg um das zu vermeiden. Das ist der Grund, sagt Slenderis, warum PSA Gefco und Renault die Groupe Cat ursprünglich gegründet haben. Aber selbst mit den engagierten Dienstleistern werden die Ergebnisse mangelhaft bleiben, wenn Prozesse mit veralteten manuellen Methoden koordiniert und nicht digital automatisiert sind.

„Unser System kann diese Form der Zusammenarbeit verändern und eine Lösung für Hersteller und Lieferanten bieten, die auf Digitalisierung, Echtzeitabläufe und Flottenmanagement basiert“, sagt Slenderis. „Es bedeutet, dass das System in der Lage ist, die Abläufe verschiedener Autohersteller zu kombinieren und ein optimales Routing zu ermöglichen, wobei Flottendienstleister automatisch verwaltet werden; Business-Digitalisierung eröffnet die Wege zu einer optimalen Lösung.“

Die Verwendung eines automatisierten Systems für das Transportmanagement hat weitere Vorteile. Wenn beispielsweise ein Fahrer dem ALCS mitteilt, dass er das letzte Fahrzeug entlädt, sendet das System automatisch Verladungsanweisungen für die nächste Fahrt. Ein anderes Beispiel sind die Informationen, die an das Fahrzeug-Compound gesendet werden und anzeigen, wenn der Transporter in der Nähe ist.

OEM Beteiligung

Was Fracht jetzt anstrebt, ist das System in einer stärkeren Integration mit den Fahrzeugherstellern direkt zu nutzen, was deren Teilnahme am System erfordert.

„Nach Integration mit den Fertigungs- und Verbundinformationssystemen wird das ALCS in der Lage sein, Transportaufträge zu akzeptieren, Touren zu planen und Frachtanweisungen vollautomatisch an Fahrer – oder künftig auch an unbemannte autonome Fahrzeuge – ohne Beteiligung von Personal zu senden.”

Die Integration von Prozessen ist für Fracht der Schlüssel zur Verbesserung des gesamten Fahrzeugtransports und zur Vorbereitung auf die Einführung des autonomen Fahrzeugs.

Während die Digitalisierung von Prozessen in der Fahrzeugbranche in vielerlei Hinsicht zugenommen hat – Telematik, Transportmanagementsysteme, Customer Relationship Management (CRM), Supplier Relationship Management (SRM), E-Commerce – gibt es noch keine gemeinsamen Plattformen um Verbindungen zwischen den verschiedenen Systemen zu verwalten.

Laut Fracht, verbindet das ALCS die Lieferkette und durch die Verbindung der verschiedenen Systeme, die es unterstützen, können Leermeilen reduziert werden, die Reaktionszeit verkürzt, Verfolgungsdaten über die Lieferkette verbreitet und die manuelle Kommunikation und die Verschwendung von Papier reduziert werden. „Wenn dies implementiert wird”, sagt Slenderis, „werden die Prozesse auf der globalen Ebene standardisiert und einen gemeinsamen mehrsprachigen Austausch bieten, um Geschäftsprozesse zu automatisieren und zu optimieren”.

„Kunden benötigen Geschwindigkeit, Transparenz und Transportverfolgung zu einem möglichst niedrigen Preis. Hier bieten wir unsere Dienstleistungen an”, sagt Slenderis. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass es ohne eine gemeinsame Plattform in der Automobillogistik keine Zukunft für autonomen Transport gibt!”